"Wir brauchen ein Erklärvideo" ist ein guter Anfang, aber noch keine Entscheidung. Hinter dem Wort stecken sehr verschiedene Produktionen: eine gezeichnete Animation, eine Hand, die auf einem weißen Hintergrund zeichnet, eine Aufnahme vom Bildschirm oder ein gedrehter Film mit echten Menschen. Jede Erklärvideo-Art hat Stärken und Grenzen, und sie unterscheiden sich im Aufwand oft stärker als in der Länge. Dieser Vergleich hilft dir, die Art zu finden, die zu deinem Thema passt, bevor du Angebote einholst.
Die Arten auf einen Blick
| Art | Passt gut für | Grenzen | Aufwand im Vergleich |
|---|---|---|---|
| 2D-Animation und Motion Design | abstrakte Abläufe, Dienstleistungen, Datenflüsse | wirkt ohne eigene Gestaltung schnell beliebig | mittel bis hoch |
| Whiteboard oder Scribble | Schritt-für-Schritt-Erklärungen, Schulungen | Stil ist vielen Zuschauern sehr vertraut | mittel |
| Legetechnik | einfache Geschichten, Beratung, Bildung | wenig Raum für Details und Technik | niedrig bis mittel |
| Screencast | Software, Webanwendungen, Formulare | veraltet mit jeder Änderung der Oberfläche | niedrig |
| Realfilm | Handwerk, Produkte, Menschen und Orte | Dreh, Licht und Zustimmung der Beteiligten einplanen | mittel bis hoch |
| Mischform | Realfilm mit eingeblendeten Grafiken | braucht zwei Arbeitsweisen | hoch |
Die Einschätzung zum Aufwand ist ein grober Vergleich der Arten untereinander. Was ein konkretes Video kostet, hängt von Länge, Sprecher, Musik und Korrekturen ab. Das beschreibt der Ratgeber Erklärvideo: Kosten und Ablauf.
2D-Animation und Motion Design
Bei der klassischen Animation entstehen Figuren, Symbole und Hintergründe am Rechner und werden in Bewegung gesetzt. Motion Design arbeitet stärker mit Formen, Linien und Übergängen als mit Figuren. Der große Vorteil: Du kannst zeigen, was sich nicht filmen lässt, etwa wie Daten durch ein System laufen oder wie eine Versicherung im Schadenfall greift. Eine Animation lässt sich außerdem später gut anpassen, wenn sich ein Detail ändert, weil die Projektdateien erhalten bleiben.
Die Schwäche liegt in der Austauschbarkeit. Animationen aus Vorlagen mit denselben Figuren und Farben sieht man auf vielen Websites. Wer sich abheben will, braucht eine eigene Bildsprache, die zu Logo und Farben passt. Das kostet Gestaltungszeit, zahlt sich aber aus, wenn mehrere Videos im selben Stil folgen.
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Whiteboard und Legetechnik
Im Whiteboard-Video zeichnet eine Hand Schritt für Schritt Skizzen auf einen weißen Hintergrund, während eine Stimme erklärt. Der Aufbau zwingt zu einer klaren Reihenfolge, was bei Schulungen und Abläufen hilft. Die Legetechnik ist eine verwandte Form: Ausgeschnittene Figuren und Symbole werden von Händen ins Bild geschoben und wieder entfernt. Sie wirkt handgemacht und eignet sich für einfache Geschichten, etwa wie eine Beratung abläuft.

Beide Formen leben vom Sprechertext. Weil die Bilder einfach sind, trägt die Stimme den größten Teil der Erklärung. Ein gutes Skript ist hier noch wichtiger als bei anderen Arten. Wie du es schreibst, zeigt der Ratgeber Erklärvideo-Skript schreiben.
Screencast für Software
Ein Screencast zeichnet den Bildschirm auf, während jemand eine Software bedient, meist mit gesprochener Erklärung. Für Anleitungen, Hilfeseiten und Produkteinführungen ist das die direkteste Form, weil die Zuschauer genau das sehen, was sie später selbst vor sich haben. Der Aufwand ist vergleichsweise gering.
Der Haken ist die Haltbarkeit. Ändert sich die Oberfläche, ein Knopf wandert, ein Menü heißt anders, passt das Video nicht mehr. Plane deshalb von Anfang an, wie oft du es neu aufnehmen willst, und halte Screencasts eher kurz und auf eine Aufgabe beschränkt. Bei Bildschirmaufnahmen kommt ein Punkt zur Barrierefreiheit dazu. Was auf dem Bildschirm als Text erscheint, muss für blinde Menschen in der Beschreibung vorkommen, nicht unbedingt wortgleich [1]. Wer im Skript ohnehin sagt, was er gerade anklickt, erfüllt das schon zum großen Teil.
Realfilm
Für Handwerk, Produkte und Dienstleistungen, bei denen Menschen eine Rolle spielen, ist der Realfilm oft die überzeugendste Art. Ein Tischler, der zeigt, wie eine Verbindung gesteckt wird, erklärt mehr als jede Grafik davon. Der Realfilm braucht aber Vorbereitung: einen Drehort, gutes Licht, verständlichen Ton und Menschen, die vor der Kamera sicher wirken. Wer erkennbar zu sehen ist, sollte vorher zustimmen. Wie ein Dreh mit wenig Technik gelingt, zeigt der Ratgeber Produktvideo mit dem Smartphone drehen.

Viele Produktionen mischen beide Welten. Der Realfilm zeigt den Menschen, eingeblendete Grafiken erklären Zahlen, Maße oder Abläufe im Inneren eines Geräts. Das verbindet die Glaubwürdigkeit des Films mit der Klarheit der Animation, braucht aber beide Arbeitsweisen und ist entsprechend aufwendiger.
3D-Animation und Kurzfassungen
Für Maschinen, Bauteile und technische Produkte kommt eine weitere Art dazu: die 3D-Animation. Sie kann ein Gerät drehen, aufschneiden und Teile auseinandernehmen, was weder ein Foto noch ein Film so zeigt. Dafür braucht sie ein Modell des Produkts, und Modellbau, Licht und Berechnung der Bilder machen sie zur aufwendigsten Art im Vergleich. Liegen bereits Konstruktionsdaten vor, verkürzt das den Weg.
Unabhängig von der Art lohnt sich die Frage, ob aus dem Erklärvideo später kurze Ausschnitte für soziale Netzwerke entstehen sollen. Reels und ähnliche Formate laufen im Hochformat 9:16. Meta empfiehlt für Anzeigen in Instagram Reels außerdem, oben, unten und an den Seiten Ränder frei von Text und Logos zu lassen [4]. Wer das beim Gestalten berücksichtigt, kann Szenen später ohne neuen Aufbau umschneiden. Animationen lassen sich dafür meist leichter anpassen als ein Film, der im Querformat gedreht wurde.
Was für alle Arten gilt
Unabhängig von der Art sollten Erklärvideos kurz bleiben. Wistia empfiehlt für Erklärvideos und Produktübersichten eine bis fünf Minuten und stellt in seinen Daten fest, dass viele Zuschauer etwa zur Hälfte eines Videos abspringen. Die wichtigsten Informationen gehören deshalb in die erste Hälfte [2]. Ein Erklärvideo, das sich auf eine Botschaft beschränkt, ist leichter zu produzieren und leichter zu verstehen.
Auch Untertitel gehören zu jeder Art. Sie helfen gehörlosen und schwerhörigen Menschen und allen, die ohne Ton schauen. Automatisch erzeugte Untertitel reichen nach dem W3C nur, wenn sie völlig fehlerfrei sind, meist muss man sie deutlich überarbeiten [3]. Bei Videos mit vielen Bildinformationen kommt die Audiodeskription dazu. Das W3C hält dafür bei Schulungs- und Anleitungsvideos meist die integrierte Beschreibung für am besten geeignet: Was im Bild wichtig ist, steht gleich im Sprechertext. Geplant vor der Produktion kostet das wenig zusätzlich [1].
Und jedes Erklärvideo braucht ein klares Ende, an dem der Zuschauer weiß, was er als Nächstes tun kann. Mehr zum Begriff steht im Glossar unter Call to Action.
So triffst du die Entscheidung
Stell dir drei Fragen. Lässt sich das Thema filmen, oder ist es unsichtbar? Unsichtbare Themen sprechen für Animation, sichtbare für Realfilm oder Screencast. Wie lange soll das Video aktuell bleiben? Wer häufig Änderungen erwartet, wählt eine Art, die sich leicht anpassen lässt. Wo läuft das Video? Auf einer Produktseite zählt ein schneller Einstieg, in einer Schulung darf es ausführlicher sein. Nach unserer Erfahrung ist die Entscheidung meist schnell klar, wenn diese drei Antworten feststehen. Was dabei preislich herauskommt, ordnet der Ratgeber Erklärvideo erstellen lassen: Preise ein.

Du bist noch unsicher, welche Art zu deinem Thema passt? Beschreib Jan kurz, was das Video erklären soll und wo es laufen wird. Schreib Jan, er schlägt dir eine Art vor und schätzt den Aufwand vorab.
- Organisation Description of Visual Information. W3C Web Accessibility Initiative. Stand 17.09.2024. abgerufen am 31.10.2026
- Studie How to Choose the Right Marketing Video Length for Any Goal. Wistia, Ezra Fishman und Chiara Hoogervorst. Stand 01.07.2025. abgerufen am 31.10.2026
- Organisation Captions/Subtitles. W3C Web Accessibility Initiative. Stand 17.09.2024. abgerufen am 31.10.2026
- Organisation Instagram Reels ads: specs. Meta Ads Guide. Stand 2026. abgerufen am 31.10.2026
Häufige Fragen
Welche Erklärvideo-Art ist am günstigsten?
Im Vergleich der Arten ist der Screencast meist am wenigsten aufwendig, gefolgt von der Legetechnik. Was ein konkretes Video kostet, hängt aber von Länge, Sprecher, Musik und Korrekturen ab.
Wann ist ein Realfilm besser als eine Animation?
Wenn Menschen, Orte oder Handgriffe im Mittelpunkt stehen, etwa im Handwerk oder bei Produkten. Für unsichtbare Abläufe wie Datenflüsse oder Versicherungsfälle passt die Animation besser.
Wie lang sollte ein Erklärvideo sein?
Wistia empfiehlt für Erklärvideos eine bis fünf Minuten. Die wichtigsten Punkte gehören in die erste Hälfte, weil viele Zuschauer etwa zur Hälfte abspringen.
Kann man Arten mischen?
Ja. Häufig ist ein Realfilm mit eingeblendeten Grafiken. Das verbindet beide Stärken, braucht aber mehr Aufwand.
Brauchen Erklärvideos Untertitel?
Ja, für Menschen mit Hörbehinderung und alle, die ohne Ton schauen. Automatische Untertitel müssen in der Regel gründlich überarbeitet werden.
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Zuletzt geprüft am 03.11.2026, nächste Prüfung spätestens im November 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.

