Das Skript ist der billigste Teil eines Erklärvideos und der, der am meisten entscheidet. Solange nur Text auf Papier steht, kostet jede Änderung ein paar Minuten. Ist das Video animiert oder gedreht, kostet dieselbe Änderung Stunden. Wer ein Erklärvideo-Skript sorgfältig schreibt und abstimmt, spart deshalb mehr als bei jedem anderen Schritt. Dieser Ratgeber zeigt einen Aufbau, der für die meisten Erklärvideos trägt, eine Vorlage zum Ausfüllen und die Regeln für Sätze, die man hört statt liest. Wie Konzept und Drehbuch allgemein zusammenhängen, steht im Ratgeber Videokonzept und Drehbuch. Hier geht es um das Schreiben selbst.
Vor dem ersten Satz
Bevor du schreibst, beantwortest du drei Fragen in je einem Satz. Wer schaut das Video? Was weiß diese Person danach, was sie vorher nicht wusste? Was soll sie danach tun? Wenn eine der Antworten länger als ein Satz wird, ist das Video meist zu breit angelegt. Dann lohnt es sich, das Thema auf zwei Videos zu verteilen.
Hilfreich ist eine Sammlung der Fragen, die deine Kunden wirklich stellen, aus E-Mails, Telefonaten oder dem Vertrieb. Sie zeigen, an welcher Stelle Menschen hängen bleiben, und liefern oft die Worte, mit denen das Skript anfängt. Wie du solche Fragen systematisch sammelst, beschreibt der Ratgeber Fragen der Zielgruppe als Keywords nutzen auf der Hauptseite.
Ein Aufbau in vier Teilen
- Das Problem: In den ersten Sätzen erkennt der Zuschauer seine Lage wieder. "Du willst einen Termin buchen, aber das Telefon ist besetzt."
- Die Lösung: Was dein Produkt oder deine Leistung daran ändert, in einem Satz.
- Der Ablauf: Wie es funktioniert, in drei bis fünf Schritten, jeder mit einem eigenen Bild.
- Der nächste Schritt: Was der Zuschauer jetzt tun kann, und wo.
Der Aufbau ist bewusst einfach. Er sorgt dafür, dass das Wichtigste vorne steht. Das zählt, weil viele Zuschauer ein Video nicht bis zum Ende sehen. Wistia stellt in seinen Daten fest, dass die meisten etwa zur Hälfte abspringen, und rät, die zentralen Informationen in die erste Hälfte zu legen [1]. Ein Skript, das zwei Minuten lang Vorgeschichte erzählt, bevor es zur Sache kommt, verliert genau die Menschen, die es erreichen will.
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Die Vorlage: Ton und Bild nebeneinander
Ein Erklärvideo-Skript hat zwei Spalten. Links steht, was man hört, rechts, was man sieht. So erkennen alle Beteiligten, ob Text und Bild zusammenpassen, und wer animiert oder dreht, weiß, was in jeder Szene passieren soll.

| Ton | Bild |
|---|---|
| Du willst einen Termin, aber das Telefon ist besetzt. | Person mit Telefon am Ohr, Wartesymbol |
| Mit der Online-Buchung geht das in einer Minute. | Hand tippt auf einen Knopf, Kalender öffnet sich |
| Du wählst die Leistung, dann den Tag, dann die Uhrzeit. | drei kurze Szenen, jede Auswahl hebt sich farbig ab |
| Die Bestätigung kommt sofort per E-Mail. | Briefumschlag fliegt ins Postfach |
| Probier es aus, den Link findest du unter dem Video. | Pfeil nach unten, Logo |
Jede Zeile ist eine Szene. Das Beispiel ist erfunden und dient nur zur Veranschaulichung. In der Praxis bekommt die Bildspalte oft noch Hinweise zu Musik, Geräuschen und eingeblendetem Text.
Schreiben für das Ohr
Einen Sprechertext hört der Zuschauer in der Regel nur einmal. Niemand kann zurückspringen, um einen langen Satz ein zweites Mal zu lesen. Daraus folgen ein paar Regeln:

- Ein Gedanke je Satz. Nebensätze kürzen oder zu eigenen Sätzen machen.
- Verben statt Substantive: "Du buchst" statt "die Durchführung der Buchung".
- Zahlen sparsam. Eine Zahl im Satz bleibt hängen, drei nicht.
- Fachwörter nur, wenn die Zielgruppe sie benutzt, und dann beim ersten Mal erklären.
- Direkt ansprechen, wie im Gespräch, und dabei bei einer Anrede bleiben.
Lass den Text nicht beschreiben, was ohnehin zu sehen ist. Wenn im Bild ein Kalender aufgeht, muss die Stimme nicht "ein Kalender öffnet sich" sagen. Sie sagt, was der Kalender bedeutet. Umgekehrt gilt: Was nur im Bild passiert, erreicht Menschen nicht, die nicht sehen können.
Das Bild im Text mitdenken
Für blinde und sehbehinderte Menschen braucht ein Video eine Beschreibung der wichtigen Bildinformationen, auch von Text, der im Bild erscheint. Das W3C beschreibt dafür die integrierte Beschreibung: Die Bildinformation steht gleich im Sprechertext, sodass das Video mit einer einzigen Tonspur auskommt. Das eignet sich nach dem W3C meist am besten für Schulungsvideos und funktioniert auch bei Präsentationen und Anleitungsvideos. Es kostet wenig zusätzlich, wenn es vor der Produktion geplant wird [2]. Das Skript ist genau der Ort dafür.
In der Praxis heißt das: Wenn eine Zahl, eine Adresse oder ein Schritt nur als Einblendung erscheint, nimm sie in den gesprochenen Text auf. Beschreib sachlich, im Präsens und in der Form, die das W3C für Beschreibungen empfiehlt [2]. Wer das von Anfang an tut, muss später keine zweite Tonspur produzieren.
Vom Skript zu den Untertiteln
Ein fertiges Skript ist die halbe Arbeit für die Untertitel. Untertitel sind nach dem W3C eine Textfassung der gesprochenen und der nicht gesprochenen Toninformationen, synchron zum Video [3]. Wenn das Skript beim Einsprechen nicht mehr verändert wird, lässt es sich direkt als Grundlage nutzen. Weicht der Sprecher ab, gleichst du den Text an die Aufnahme an. Automatische Untertitel ersetzen das nicht, sie reichen laut W3C nur, wenn sie völlig fehlerfrei sind [3]. Wie du Untertitel und Transkripte erstellst, zeigt der Ratgeber Untertitel und Transkripte für Videos.
Testen, bevor produziert wird
Lies das Skript mit einer Stoppuhr laut vor. Dabei fallen zu lange Sätze sofort auf, weil du beim Lesen Luft holen musst. Die gemessene Zeit zeigt, ob das Video in der geplanten Länge bleibt. Lies langsamer, als du denkst, denn ein Sprecher spricht deutlich und macht Pausen zwischen den Szenen.

Gib das Skript dann einer Person, die das Thema nicht kennt, und frag sie danach, was sie verstanden hat. Wenn sie die Kernaussage nicht in eigenen Worten wiederholen kann, liegt es am Skript. Erst danach holst du die Freigabe intern ein, am besten von einer einzigen Person, die entscheidet. Ein freigegebenes Skript ist die Grundlage für das Angebot und für die Schätzung des Aufwands. Was das für die Kosten bedeutet, beschreibt der Ratgeber Erklärvideo: Kosten und Ablauf.
Typische Fehler im Skript
- Zu viel auf einmal: drei Produkte und fünf Vorteile in neunzig Sekunden.
- Der Einstieg mit der Firmengeschichte statt mit dem Problem des Zuschauers.
- Sätze aus der Broschüre, die gelesen gut klingen und gesprochen holpern.
- Kein klarer nächster Schritt am Ende.
- Preise, Jahreszahlen und Namen, die bald veralten.
Welche Art von Erklärvideo zu deinem Skript passt, hängt vom Thema ab. Der Ratgeber Erklärvideo-Arten im Vergleich hilft bei der Wahl.
Du hast ein Skript oder eine erste Idee und willst daraus ein Video machen? Schick Jan deinen Entwurf. Er gibt dir Rückmeldung zum Skript und schätzt den Aufwand für die Produktion.
- Studie How to Choose the Right Marketing Video Length for Any Goal. Wistia, Ezra Fishman und Chiara Hoogervorst. Stand 01.07.2025. abgerufen am 31.10.2026
- Organisation Description of Visual Information. W3C Web Accessibility Initiative. Stand 17.09.2024. abgerufen am 31.10.2026
- Organisation Captions/Subtitles. W3C Web Accessibility Initiative. Stand 17.09.2024. abgerufen am 31.10.2026
Häufige Fragen
Wie ist ein Erklärvideo-Skript aufgebaut?
In zwei Spalten: links der gesprochene Text, rechts das Bild. Inhaltlich hat sich die Folge Problem, Lösung, Ablauf und nächster Schritt bewährt.
Wie lang sollte das Skript sein?
So lang, dass das Video in der geplanten Zeit bleibt. Lies den Text laut mit Stoppuhr vor und plane Pausen zwischen den Szenen ein. Wistia sieht für Erklärvideos eine bis fünf Minuten als passend an.
Kann ich das Skript selbst schreiben?
Ja. Du kennst dein Thema am besten. Lass den Entwurf von jemandem gegenlesen, der das Thema nicht kennt, und von der Person, die das Video produziert.
Was hat das Skript mit Barrierefreiheit zu tun?
Wichtige Bildinformationen gehören in den gesprochenen Text, dann brauchen blinde Menschen keine zweite Tonspur. Das freigegebene Skript ist außerdem die Grundlage für die Untertitel.
Wann ist das Skript fertig?
Wenn eine Person, die das Thema nicht kennt, die Kernaussage wiedergeben kann und intern eine Person das Skript freigegeben hat.
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Zuletzt geprüft am 03.11.2026, nächste Prüfung spätestens im November 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.

